Freitag, 17. November 2017

[Gedankenbrei #1] Bücher die mich berühren

Gedankenbrei #1 - was das sein soll? Ihr kennt ja meine Rubrik "Redestoff", unter welcher ich all die kleinen Themenbereiche unterbringe, die mir so im Kopf umherspuken.

Dort bemühe ich mich auch recht geordnet, sortiert und knackig alles unterzubringen. Doch es gibt eben auch Gedanken, gerade wenn sie buchbezogen sind, die mir sehr ungeordnet durch den Kopf fliegen, welche ich aber trotzdem sehr gerne mit euch teilen möchte.

Und sei es nur, um sie einmal aufgeschrieben zu haben. Aus diesem Grund würde ich den Gedankenbrei #1 sehr gerne ausprobieren. Wie oft ich hier etwas dazu schreiben werde oder ob das ganz spontan kommt, kann ich euch jetzt noch nicht sagen. Es wird auch garantiert keine Rubrik für jeden von euch sein, aber das muss es ja auch nicht.

Meine Meinung, meine Gefühle, meine Gedanken - das soll hier Platz finden und wie ein kleines Tagebuch funktionieren.

Lange Rede, kurzer Sinn: Hier werden ganz chaotisch, unsortiert und durcheinander meine Gedanken zu bestimmten Themenbereichen stehen, viel Spaß damit. 

Bücher die mich berühren

Bücher die mich als Leser berühren, die mich mit sich reißen und mein Innerste nach Außen kehren - DAS sind Geschichten die mich gefangen nehmen. Das sind Lesestunden, die ich weinend auf der Couch verbringe, völlig vereinnahmt von den Charakteren, der Atmosphäre und ihrem Werdegang. Bücher welche mir eine Gänsehaut verschaffen und die immer wiederkehrt, sobald ich daran denke.

Eines dieser Bücher war dieses Jahr "Ein wenig Leben" von Yanagihara für mich. Wenn ich mir meine markierten Stellen wieder ansehe, durch das Buch blättere und an diese unglaublich dichte Geschichte denke überläuft mich ein feiner Gänsehautschauer. 

Selten habe ich beim Lesen so viel gefühlt - es gab Passagen, nach denen ich auf meinem Bett lag und den Kopf so voller Gedanken hatte, das ich nur die Decke im Zimmer anstarren konnte. Da waren so unendlich viele fremde Gefühle in mir, mein Herz lief über vor Weltschmerz und ich wusste nicht wohin mit mir.


"Mit jedem Jahr schwand sein Anrecht darauf, sich menschlich nennen zu dürfen; mit jedem Jahr war er weniger Mensch. Doch es kümmerte ihn nicht länger; er konnte nicht zulassen, das es ihn kümmerte."


Die Geschichte ist rau, gespickt mit dem puren Leben. Sie hat kein Blatt vor den Mund genommen, war hart und oft auch widerlich - sie hat sich mein Herz gegriffen und es Stück für Stück auseinander genommen. JA, es hatte unangenehme Themen. JA, es war tragisch, es war traurig und grausam. Es war wie das Leben selbst und voller Wendungen, die mir den Atem genommen haben. 

Ich wünschte ich könnte mehr solcher Geschichten entdecken, mehr solcher Momente sammeln und aufbewahren, denn das sind die Bücher, an welche ich noch nach Jahren zurückdenke. Die Romane, deren Sätze ich fast schon auswendig kenne und sie mit farbigem Stift umkreist habe.
Deren Buchrücken völlig durchgebogen sind, deren Seiten abgegriffen sind und auf denen sich manchmal auch ein paar trockene Tränen finden, wenn man nur nah genug herantritt.

Die Geschichten, zu denen ich greife wenn ich sie vermisse oder sie brauche. Deren Blätter mit Post-Its oder Anmerkungen versehen sind und über welche ich jedes Mal aufs Neue stolpere. Die ich am liebsten jemand anderen laut vorlesen möchte, nur um seine Reaktion zu beobachten; zu sehen ob diese Stelle genauso nach ihm greift, wie es bei mir der Fall war.

Diese Bücher sind mit mir durch dick und dünn gegangen, haben mir eine andere Sicht auf die kleinen, wertvollen Dinge in der Welt gezeigt oder mich auf die düstere, graue und Schatten behaftete Seite mitgenommen. Keine dieser Reisen möchte ich vermissen, keine dieser Geschichten möchte ich so schnell aus meinem Gedächtnis streichen.

Es gab Romane, welche mich wie eine weiche Decke umschlossen haben und mir zugeflüstert haben  es würde schon alles gut werden, nur um im nächsten Moment mich in die kalte Realität zu werfen. Ist es nicht genau das, was das Leben ausmacht? Natürlich möchte ich beim Lesen der Welt entfliehen, möchte ein klein wenig eine rosa Brille tragen und meinen Sorgen entfliehen. 

Doch mein Leserherz und meine Seele ist bei diesen Geschichten zuhause. Auch wenn ich sie nicht immer lesen kann, mich gedanklich vorweg darauf vorbereiten möchte - ich liebe sie für ihre Gnadenlosigkeit ( jede Geschichte auf ihre Art und Weise ) und die Gefühle, die sie in mir auslösen.


An ihnen wachse ich, lasse sie in mein Innerstes hinein und nehme mir das daraus mit, was mich am meisten berührt. Aus ihnen setzt sich meine ganz eigene Leser-Persönlichkeit zusammen; bunt schillernd wie ein kleiner Schmetterling, welcher mich immer wieder daran erinnert wie viele unglaublich schöne und besondere Lesestunden ich schon hatte.

An alle Autoren da draußen: Schreibt solche Geschichten wenn sie in euch gären, scheut euch nicht. Nicht jeder Leser wird sie verstehen, wird sie mögen oder erst in die Hand nehmen. Doch wenn eure Gedanken lodern, werden sie sich in die Herzen der Leser einbrennen und oft noch lange nachglühen.

An alle Leser da draußen: Schreibt über solche Bücher, verzaubert andere Leser mit eurer Leidenschaft und hört nie auf damit. Nur so kann ich all diese Geschichten entdecken, mich in ihnen verlieren und sie niemals in Vergessenheit geraten lassen. DANKE.

"Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen." 
Franz Kafka

1 Kommentar:

  1. Hallo Antonie

    Ein wenig Leben habe ich als Hörbuch genossen. Daraufhin habe ich mir auch das Buch zugelegt. Ich sollte endlich mal eine Rezension schreiben. Ist bei diesem Buch gar nicht so leicht. Kann ein einziger Mensch wirklich so viel Negatives erleben?

    Du hast wunderschön geschrieben. Bessere Worte kann man nicht finden.

    Liebe Grüße,
    Gisela

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