Dienstag, 25. Juli 2017

[Lese-Einblick #14] Babydoll

Wer kennt sie nicht, die typischen Entführungsthriller? Meist dreht sich die Handlung um das Auffinden der verschwundenen Person oder deren Flucht aus der Gefangenschaft, ein wenig Nachgeplänkel und dann ist die Geschichte oft auch schon zu Ende.

"Babydoll" fängt da an, wo diese Bücher enden. Denn hier begleiten wir Lily und ihre Tochter Sky, welchen die Flucht aufgrund einer kleinen Unachtsamkeit ihres Entführers gelingt. Der Leser verfolgt nun aus verschiedenen Sichtweisen das ganze "Danach" - wie Lily nach acht Jahren wieder nach Hause kommt, ihre Familie zerrüttet vorfindet und natürlich was sich in den Jahren in Lilys Abwesenheit ereignet hat.

Hollie Overton hat hier eine sehr beklemmende Atmosphäre erschaffen, die mich beim Lesen mehrmals hat schlucken lassen. Gut gefällt mir bisher, dass die Autorin es sich auch erlaubt, unsympathische Charaktere in die Geschichte einfließen zu lassen und nicht nur eine heile Welt präsentiert.

Denn wenn ein geliebter Mensch eine solch lange Zeit ungeklärter Weise verschwunden ist und nun plötzlich wieder in das Leben eintritt, dann kann mir niemand erzählen dass dies bei den Angehörigen keine Spuren hinterlassen hat und sofort wieder mit einem normalen Alltag weitergemacht wird.

Nein, da gibt es Wunden und Streitthemen, da ist Verunsicherung und Wut vorhanden und ganz gewiss eine Hilflosigkeit, welche die Autorin sehr feinfühlig und gezielt in die Handlung eingestreut hat. Aber auch die Sichtweise des Entführers, der von Anfang an bekannt ist, und seine Motivation hinter Lilys Entführung und seine Gedankengänge, all dies zu verfolgen und Einsicht zu nehmen ist gewissermaßen wie ein Autounfall: 

Man möchte es nicht lesen, möchte sich nicht in ihn einfühlen und doch lese ich es mit einer gewissen Sensationsgier, die mich selbst fast schon erschreckt. Und genau das macht den Lesefluss und den Drang weiterzulesen an dieser Geschichte aus:
Ich will wissen wie es weitergeht, möchte wissen ob Lily und ihre Familie sich zusammenraufen können und ob ihr Entführer eine gerechte Strafe bekommt - und deswegen rase ich wirklich durch das Buch hindurch.

Zwischenfazit:

Bisher ganz ganz großes Kino, aber natürlich nicht ein klassischer Thriller in dem Sinne, sondern wie es auf dem Cover richtig steht ein "Roman" mit gewaltiger Spannung, den man nicht mehr weglegen möchte!

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