Sonntag, 2. August 2015

[Redestoff #13] Bücher, vor denen wir Angst haben

Ein großes Hallo an meine liebsten Lesewahnsinnigen!

Kennt ihr das? Ihr habt seit Jahren ein gewisses Buch auf eurer Wunschliste, lest euch zig tausendmal den Klappentext dazu durch, hört euch begeisterte Rezensionen an und schleicht seit Ewigkeiten um diese Geschichten ... bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihr euch das gewünschte Buch leisten könnt, es günstig ersteht oder geschenkt bekommt. 

Wunschlisten-Bücher-Angst

"Ja und?!" fragt ihr euch jetzt - was ist daran ungewöhnlich oder gar einen Beitrag wert? Also bei mir gibt es einige solcher Bücher und ZWEI von dieser Liste konnte ich in der letzten Woche endlich von meiner Wunschliste erlösen und lesen - und ich hatte richtig Angst davor! 

Warum? Naja, ich hatte sie jahrelang aus der Ferne angeschmachtet, habe mir ausgemalt wie es mir gefallen wird. Ich habe mit den Jahren (oder Monaten) einen gewaltigen Respekt vor diesen Geschichten entwickelt, erwarte ungemein viel bzw. unnatürlich viel von der Handlung und wenn es dann zum Lesen kommt, dann habe ich Angst, dass ich enttäuscht werde oder mir das Buch erst gar nicht gefällt.

Schließlich habe ich mich so lange darauf gefreut und dann enttäuscht zu werden - ja, dass wäre dann eine ziemlich bittere Pille und dazu noch eine, die ich ungerne schlucken möchte.

Bestseller/Hype-Bücher-Angst

Genauso geht es mir mit Büchern, die wochen- oder monatelang auf den Bestsellerlisten verweilen, die im Radio und im Fernsehen rauf und runter besprochen, gelobt und gehypt werden. 

Dabei ist es auch noch ein Unterschied, ob dieses Buch "nur" in der Bloggerszene rumgeht, weil der Verlag es extrem bewirbt ODER es eben durch irgendeinen Grund plötzlich durch die Decke schießt und von allen Seiten der Presse seine ungeteilte Aufmerksamkeit bekommt.

Was ist, wenn es mir dann nicht gefällt? Stimmt dann irgendwas nicht mit mir? Sollte mir wenigstens nicht ein klitzekleiner Teil der Geschichte mich ansprechen - denn, die Masse kann ja nicht irren, oder?! Gerade diese Angst macht mich immer mal wieder fertig. 

Denn als Buchhändlerin fällt es einem manchmal sehr schwer, mit einer gegenteiligen Meinung beim Kunden gut anzukommen. So könnte dann im schlimmsten Fall (und das beruht auf wahren Begebenheiten!!!) ein Verkaufsgespräch aussehen:

[Kunde kommt freudestrahlend / steht begeistert vor dem Bestseller-Regal / mit einem ausgewählten Roman auf einen zu]

K.: "Haben Sie das neue Buch von XY schon gelesen? Ich habe ja nur gute Kritiken darüber gehört - können Sie das empfehlen?" 

ODER "Das Buch hier steht ja schon längere Zeit auf Platz 1, das kann ja nur ein richtig gutes Werk sein, oder?" 

--> (Dabei sei zu beachten, dass diese Kunden die oben genannten Fragen nicht nur rein rhetorisch stellen, nein!, sie wollen die eigene Meinung dazu hören - die im besten Fall natürlich ihre Kaufentscheidung bestätigt) 

B.: "Jaaaaaaa, ich habe angefangen es zu lesen, aber ich kam mit dem Schreibstil einfach nicht zurecht und die Handlung konnte mich auch nicht so recht überzeugen." 

ODER "Ja wissen Sie, nur weil das Buch auf Platz 1 steht, muss das nicht zwingend eine Qualität-Aussage sein." 

--> (Bei dieser Aussage sollte man sich bei manchen Kunden auf eine längere Erklärungswelle bzw. Diskussion gefasst machen) 

ODER ODER "Leider noch nicht, aber ich habe gehört, dass es die Meinungen dazu sehr unterschiedlich sind."

--> (Hierbei kann man sich gewaltig in die Nesseln setzen, denn wie kann man als Buchhändler denn nicht mindestens die ersten 3 Plätze der Liste gelesen haben? :D)

Und dann geht es meist richtig los mit den Fragen nach dem Warum und Warum nicht und überhaupt. Müsse ich nicht und wäre das nicht meine Aufgabe? Könnte man mit einer anderen Kollegin sprechen oder seien hier alle so unverschämt und inkompetent? Würden wir nicht fürs Lesen bezahlt werden und so weiter und so fort.

Natürlich trifft das nicht immer auf alle Verkaufsgespräche oder Fragen nach den Bestsellern zu, doch stellt sich mir da stets die Frage: Warum ist für viele Kunden denn wichtig, genau das zu lesen und zu mögen was alle lesen und mögen? Und muss ich mich als Buchhändlerin dem ganzen beugen? 

Fragen über Fragen und meine Antwort dazu lautet: Jein bzw. die Angst ist unterbewusst trotzdem da. Finde ich ein Buch gut und die Masse ebenso, dann ist ja eh alles gut. Doch sobald sich die Meinungen zu weit entfernen und ich weiß, ich stehe mit meiner negativen/positiven Meinung allein im Wald, kriege ich doch schon Muffensausen. 

Fazit

Das sind jetzt nur zwei Beispiele und zwei meiner Buch-Ängste; es gibt garantiert mehr und jeder kann davon ein Liedchen singen. Wichtig ist dann nur, diese Ängste zu überwinden und sich nicht von ihnen einschränken zu lassen, denn wir wollen alle doch nur eins: 

Spaß am Lesen und Geschichten entdecken haben! 

Schreibt mir doch eure Buch-Ängste in die Kommentare, ich bin jetzt ziemlich neugierig auf eure Geschichten!!

( Hier noch das Video, durch das ich zu diesem Beitrag inspiriert wurde )

Kommentare:

  1. Hallo Antonie,

    ich finde, dass du auch als Buchhändlerin nicht alles mögen musst, was die Masse anscheinend mag. Und Platz 1 der Beststellercharts heißt ja auch nicht gleich das alle das mögen, nur dass viele es gekauft haben. ^^ Und man kann ja nicht alles mögen, leider gibt's glaube ich viel zu viele Menschen, die das nicht verstehen.

    Bücher, die bei mir im Schrank stehen und ich Hemmungen habe sie zu lesen, sind
    1. das was dann so schön Literatur genannt wird. Das sind vor allem Bücher, die ich für die Uni lesen muss/sollte und da hab ich einfach vorher schon immer die Meinung, dass es eh nichts ist was ich mag...
    2. die älteren Bücher (historische Romane) von Kai Meyer. Da hab ich die Angst, dass sie mir nicht gefallen und dadurch auch die neuren Bücher durch die ich auf Meyer aufmerksam wurde an Zauber verlieren bzw. dass ich dann einen Lieblingsautoren weniger hab. Eigentlich total bescheuert...^^

    Lieben Gruß
    Vanessa

    meinefantasybuecherwelt.blogspot.de

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    1. Hallo Vanessa!

      Hach ich verstehe dich zu gut - gerade die Klassiker haben einen abschreckenden Faktor - man will sie einerseits lesen, andererseits sind sie so gewaltig, dass man richtig Angst vor ihnen bekommen kann!

      Und den zweiten Punkt verstehe ich genauso gut. Nur ist dass bei mir genau umgekehrt; finde ich einen Autor gut, habe ich Angst dass die neuen Bücher schlecht sein könnten :D

      Mir ist natürlich klar, dass ich als Buchhändlerin nicht alles lesen muss was die Masse mag, aber oft kommt es mir in Kundengesprächen so vor; bzw. haben viele Leute die Erwartung, dass ich für jeden Lesegeschmack das passende Buch parat habe. ;)

      ABER diese Angst muss besiegt werden *chaka* Wir schaffen das ;D

      Liebste Grüße, Antonie

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