Sonntag, 16. April 2017

[Rezension] Ellbogen - Fatma Aydemir


Ellbogen

Fatma Aydemir

272 Seiten

Hanser Verlag

20,00 €

Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. 

Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.

Meine Meinung:

"Ellbogen" hat mich mit einem seltsamen Gefühl der inneren Zerrissenheit zurückgelassen. Wie ein schaler Geschmack klebt mir die Geschichte am Gaumen fest, will mich nicht so recht loslassen und doch will ich ihn am liebsten herunterspülen und vergessen - ein reines Gefühlswirrwarr.

Die Autorin schafft es mit einer recht rotzig-frechen Sprache ihrer Protagonistin Hazal eine Stimme zu geben, welche auch jetzt noch in mir nachhallt. Hazal lebt in Berlin mit ihren Eltern, welche damals aus der Türkei einwanderten. Beide Elternteile fühlen sich auch nach etlichen Jahren noch fremd in Deutschland und kompensieren dies auf unterschiedliche Art und Weise.

Hazal ist mit ihren 17 Jahren völlig verunsichert, steht zwischen den Stühlen und muss den Spagat zwischen der elterlichen Kultur/Religion schaffen und ihren eigenen Vorstellungen vom Leben an sich. An vielen Stellen hat mich der Mut verlassen an Hazal zu glauben, denn sie trägt eine unglaubliche Wut in sich, welche sich während der Geschichte klar und deutlich zeigt.

Und gerade diese Wut hat mich so traurig gestimmt. Es ist eine hilflose Wut, eine Wut auf die Gesellschaft an sich und wie diese Hazal als Deutsch-Türkin sieht, wahrnimmt und behandelt. Dabei nimmt oft auch ihre eigene Wahrnehmung von gewissen Situationen Höhenflüge an, was sie schlussendlich in ein riesengroßes Dilemma hineinkatapultiert.

Fatma Aydemir hat mich in einen regelrechten Gewissenskonflikt gebracht: Auf der einen Seite mochte ich Hazal bis zum Schluss nicht so richtig, ich konnte sie häufig einfach nicht verstehen und ihre Reaktionen nachvollziehen. Auf der anderen Seite wollte ich sie beschützen, in den Arm nehmen und sagen dass alles gut werden wird - um daraufhin zu erröten und zu merken, dass es eben doch nicht so einfach ist.

Für Hazal ist Deutschland ein Land ohne Hoffnung - sie arbeitet in der Bäckerei einer Verwandten, hat die Schule hin geschmissen und weiß nichts mit sich und ihrem Leben anzufangen. Ihre Freunde sind ihr dabei keine große Stütze, fühlen sich selbst nicht richtig wohl in der eigenen Haut und gehen dadurch äußerst aggressiv mit jeglicher Provokation um, ob gerechtfertigt oder nicht.

Während der kompletten Geschichte habe ich mich immer wieder gefragt, ob alles anders verlaufen wäre, hätten nicht alle Beteiligten in jeglicher Hinsicht versagt. Die einzige Person, zu der Hazal auch ein recht freundschaftliches Verhältnis hat, ist ihre Tante Semra. Diese versucht ihr stets den richtigen Weg zu weisen, doch auch sie schafft es bis zum Schluss nicht, Hazal ein kleines Fünkchen Hoffnung mitzugeben, denn ich glaube mehr hätte es gar nicht bedarft.

Und auch als Hazal endlich in IHREM Land, in Istanbul ankommt, muss sie feststellen, dass auch dort nicht alles so ist, wie sie es sich erträumt hatte. Ab diesem Zeitpunkt habe ich richtig gemerkt, wie ihr Mut nach und nach zerbröckelte. Wie sehr hatte Hazal sich einen Wendepunkt dort gewünscht, wie sehr wollte sie die Menschen und die Kultur dort annehmen um endlich angekommen zu sein, nur um zu merken, dass sie sich auch dort nicht heimisch fühlt.

Zerrissen zwischen zwei Welten, die sie beide nicht haben wollen. Deutschland und Istanbul - wo ist ihr Zuhause und gibt es sowas für Hazal überhaupt? Oder wird sie für immer in ein "Dazwischen" gehören, muss sie sich stets aufteilen zwischen diesen beiden Kulturen?

Mein Fazit:

Ein Debüt, welches noch lange in mir nachklingen wird. Nach Beenden des Buches habe ich eine regelrechte Unruhe innerlich gespürt, fühlte mich ruhelos und entmutigt. Ich hatte das Gefühl, die Geschichte nicht komplett begreifen zu können, weil ich diese Zerrissenheit zwischen den Kulturen/Religionen nie verstehen und nachempfinden werden kann.

Aber das ist in Ordnung so - ich habe hier so viel dazugelernt, habe eine Sichtweise regelrecht aufgedrückt und ungeschönt aufgezeigt bekommen und dadurch ein klein wenig mehr verstanden als zuvor. Nicht viel mehr, aber meine Sicht auf die Dinge hat sich um einige Grad verschoben und ich denke, genau das wollte die Autorin.

Fatma Aydemir will mit diesem Roman nicht missionieren, nicht mit erhobenem Zeigefinger da stehen und dem Leser ihre eigene Meinung aufdrücken - nein, sie zeigt einem die raue, ungeschminkte Realität und überlässt es einem selbst, was man für sich aus dieser Geschichte mitnehmen möchte.

Ich vergebe hierfür 4 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte!


Wer nun neugierig auf "Ellbogen" geworden ist, sich aber noch nicht sicher ist ob ihm diese Geschichte gefallen wird, kann sich die Rezension der liebe Kerstin von Kejas-Blogbuch ebenfalls durchlesen - sie ist sehr lesenswert! *KLICK*

Samstag, 25. Februar 2017

[Redestoff #17] BestSeller, Lese"beichte", Neues Jahr, neues Glück?

Ein großes HALLO an euch da draußen, hier bin ich wieder!

Lang lang ist es her, seitdem wir uns das letzte Mal gelesen haben. Meine Motivation zu bloggen war gleich null und zum Schreiben zwingen wollte ich mich erst recht nicht. Dabei kann ja nichts gutes dabei herauskommen.

Aber nicht nur mir ging es in den letzten Monaten gefühlt so, viele meiner Lieblingsblogger hatte/ hat diese Unlust erwischt - und wisst ihr wie ich das finde? Überhaupt nicht schlimm! Wenn ich einen Blog führe, möchte ich dies mit einer gewissen Leidenschaft tun und wenn diese eben nun mal nicht da ist oder sich auf unbekannte Zeit verzogen hat, dann macht doch eine Pause.

Doch genug dazu - in den letzten Monaten habe ich so viele faszinierende Geschichten gelesen, habe wundervolle Lesestunden verbringen können und mich durch Neuerscheinungen gewühlt, aber auch ältere Bücher von meinem SuB befreit und das alles möchte ich wieder mit euch teilen - seid ihr mit dabei?

1.) BestSeller oder auch Mein Lieblings-Frust-Thema!

Als Buchhändlerin erlebe ich so einiges und ein Thema, welches oft in Kundengesprächen mit aufkommt sind die BestSeller. Jedes Mal, wenn mich ein Kunde anspricht und nach einer Empfehlung fragt, hüpft mein Leserherz. Ich empfehle aus vollem Herzen, gehe auf die Wünsche/Lesevorlieben ein und versuche, dem möglichst gerecht zu werden mit den Büchern, die ich auswähle, 

Und nicht selten kommt dann dieser eine Satz, bei dem mein Lächeln regelmäßig kurz einfriert: "Aber da steht ja gar nicht Spiegel-Bestseller drauf?" Dabei schwingt meistens ein "Dann kann das Buch ja nicht SO gut sein wie Sie sagen" mit oder es wird auf die ein oder andere Weise dazu gesagt. 

Ja natürlich kann das Buch nicht gut sein wenn es nicht auf der Bestsellerliste steht, tut mir leid, ich habe ja auch eigentlich keine Ahnung, was ich ihnen hier empfehle. Die meisten meiner Abende bzw. meine Freizeit gebe ich ja auch nicht gerne zum Lesen her, damit ich sie auf die bestmöglichste Art und Weise beraten kann. 
Vertrauen Sie ruhig auf die gebündelte Kaufkraft der Konsumenten oder den Marketingstrategien der Verlage, denn die machen ja schließlich das Ranking dieser Listen aus. Ich lese nur zu meinem eigenen Vergnügen und empfehle Ihnen deswegen nur den größten Schund, damit Sie mir meine Lieblingsbücher nicht wegschnappen!  "


Genau DAS möchte ich manchmal darauf antworten. Nicht weil ich einen Hass auf meine Kunden habe oder diese Antwort für dämlich befinde ... nein, ich weiß dass es die meisten Leser oder Geschenkekäufer einfach nicht besser wissen oder sich von diesem Irrglauben leiten lassen, aber manchmal frustet mich dass dann doch ungemein.

DAS musste jetzt mal raus, ich hoffe ihr verzeiht mir! Aber im Stillen hoffe ich, eines Tages all meine Kunden bekehren zu können, ihnen so viele gute Empfehlungen mitgegeben zu haben und damit so viel Begeisterung für diese Geschichten auszulösen, damit sie mir irgendwann auch die "Nicht-Spiegel-BestSeller" aus der Hand reißen mögen - AMEN! #lifetimegoals

2.) Lese"beichte"

Jetzt möchte ich kurz ein Thema anschneiden, das schon lange in meinem Kopf herumschwirrt. Nicht nur auf Arbeit fällt es mir schwer, selbstbewusst "Ja, ich lese das!" zu sagen, weil ich genau die Blicke der Kollegen vor mir sehe bzw. mir ihre Gedanken dazu ausmalen kann und auch hier habe ich euch einige gelesene Bücher unterschlagen ... warum? 

Tja, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, weiß ich es selbst nicht so genau. Letztens habe ich erst einen wundervollen Blogartikel über "Lesen und Lesen lassen" verfolgt, welcher mir eine gehörige Portion Motivation und Selbstvertrauen mitgegeben hat. 

Vorab sei noch zu sagen, dass ich die letzte bin, welche andere Leser nach ihrem Lesegeschmack be- oder noch schlimmer, verurteilt. Lest das, was euch glücklich macht und Spaß bereitet, und wenn ihr dazu noch eine begeisterte Rezension schreibt, dann lese ich diese auch sehr gerne. Und wenn mir dann das Thema nicht in mein Leseschema passt, dann so what!  

Es gibt nichts schlimmeres, als für sein Hobby oder die Auswahl seiner Bücher belächelt zu werden oder von anderen Lesern dafür niedergemacht zu werden. Jeder hat seinen eigenen Geschmck und das ist gut so - und jetzt komme ich zum springenden Punkt ( hach, was habe ich diese Kategorie "Redestoff" vermisst ;D )

Ich lese leidenschaftlich gerne Geschichten aus dem Festa Verlag, vor allem aus der Kategorie Extrem. Für mich ist das Lesen von diesen Horrorbüchern wie eine kalte Dusche; ich greife dann dazu, wenn mich ein Lesetief trifft oder ich etwas GANZ anderes brauche, um mich wieder auf Neuerscheinungen zu stürzen, welche sich oft gleich anhören und sich bei mir ein Gefühl von "Habe ich das nicht schon mal wo gelesen?!" einschleicht.



Denn oft sind es genau diese Geschichten dann, die mich begeistern und überraschen können - und deshalb brauche ich zwischendurch eine komplett unterschiedliche Art von Romanen, damit mein Lesegefühl quasi wieder auf Werkseinstellung zurückgesetzt wird - versteht ihr?

Aber nicht nur der Festa Verlag schafft das, nein auch die ganzen Erotikgeschichten werden von mir unsicher gemacht und gerne gelesen. An sich ja nichts schlimmes, seit Shades of Grey liest ja fast jeder dieses Genre und doch wollte ich nie so offen damit umgehen auf meinem Blog - blöd, oder? >>>

Ich lese nun mal gerne durcheinander, da wird mal dieses ausprobiert und jenes; für nichts davon sollte ich mich "schämen" und auch kein anderer Leser. Geschmäcker sind eben verschieden und genau das liebe ich, denn nur Schwarz und Weiß ist ja auch langweilig!

Bedeutet für euch: Es werden auch aus diesen Genres Rezensionen und Empfehlungen kommen, ob ihr wollt oder nicht. Wenn ihr der "Nicht-Fraktion" angehört, könnt ihr diese Blogartikel dann auch gerne überspringen, niemand muss alles lesen was ich hier so von mir gebe ;-)

3.) Neues Jahr, neues Glück?

Vor genau einem Jahr hatte sich das Leben von meinem Freund und mir um 180 Grad gedreht. Das ganze letzte Jahr ist wie in einem Rausch an uns vorbei geflogen, es gab viel Streit, ungute Gespräche und viele viele Veränderungen. 

Letztes Jahr hat mein Freund erfahren, dass er Vater von einem dreijährigen Jungen namens Leon ist. 

Wieso weshalb warum möchte ich hier jetzt nicht breittreten und doch habe ich das Bedürfnis, auch euch ein wenig daran teilhaben zu lassen. Einfach um euch mein Gefühlschaos ein wenig zu erklären und mir damit auch etwas von der Seele zu schreiben.

Nach dem großen Schock und dem positiven Vaterschaftstest ( es waren noch drei andere potenzielle Kandidaten vorhanden ) war es für mich die reinste Hölle. Ich habe auf der einen Seite versucht meinen Freund zu unterstützen, ihm den Rücken freizuhalten. Er hatte bzw. hat auch immer noch nicht das beste Verhältnis zur Kindsmutter und seinem Sohn, das liegt aber an allem was zuvor gelaufen war und es jetzt nicht einfach für ihn machte.

Und genau da lag unser Knackpunkt: Er war ständig frustriert, ich hatte einen brennenden Kinderwunsch in der Brust und musste nun mit ansehen, wie seine Eltern sich mit strahlenden Augen Oma und Opa nannten. Wie es dauernd hieß "Nimm doch mal deinen Sohn" oder "Geh doch mal zum Papa"- ich kam mir wie das fünfte Rad am Wagen vor und fraß meine Gefühle in mich hinein.

Dass da dann irgendwann ein großer Knall kommen musste war abzusehen und der entlud sich ungefähr vier/fünf Monate danach. Dauernd stritten wir uns wegen den kleinsten Kleinigkeiten, ich fühlte mich ungerecht behandelt und war nur noch am Weinen. Die schlimmste Situation für mich persönlich war dann, als mein Freund meinte "Wir wollten am Wochenende vielleicht in den Zoo gehen, magst du mit?" 

Wer sollte denn WIR sein? Waren nicht er und ich immer dieses unzertrennliche WIR? 

Nein, er meinte damit sich, seine Ex und den Kleinen - und hier entbrannte auch unser heftigster Streit. Wer mir dann auch diesem Gefühlstief herausholte waren meine Arbeitskollegen. Sie kümmerten sich rührend um mich, munterten mich auf und setzen mein angeknackstes Selbstvertrauen Stück für Stück wieder zusammen.

Dieser ausufernde Streit war der letzte große in dem Jahr, danach ging es nur noch in Tippelschritten bergauf. Ich will nicht sagen dass das Thema nun nicht mehr zu Diskussionen oder Gesprächen führt, aber mein Freund und ich haben es geschafft, es so in unseren Alltag zu integrieren, dass sich keiner mehr daran stoßen kann.

Ich bin unendlich froh, dass wir das gemeinsam hinbekommen haben und dieses Jahr unser Vierjähriges zusammen feiern können - denn auch wenn ich ihm zwischenzeitlich am liebsten das Genick gebrochen hätte, ist da diese bedingungslose, allumfassende Liebe für ihn. Auch wenn es sich kitschig anhört, hätte ich nicht an uns geglaubt und daran, dass wir es schaffen können, dann weiß ich nicht, wie das alles ausgegangen wäre.

Diese Jahr wünsche ich mir eine kleine Verschnaufpause, aber ich bin opimistisch: Jetzt kann es nur  noch bergauf gehen! Und um das ganze jetzt hier abzuschließen, eines meiner Lieblingszitate aus dem letzten Jahr:

Angst ist wichtig. Hab Angst vor dem offenen Meer. Vor dunklen Gassen. Vor großen Hunden. Aber niemals – ich betone – niemals vor der Liebe. Die Liebe mag wehtun, aber sie ist wie eine Rose. Du bekommst sie nicht ohne Dornen. Paris, du & ich - Adriana Popescu

Samstag, 17. Dezember 2016

[Weihnachtsempfehlungen #2] Familiengeschichten

Na, braucht ihr noch Buchtipps fürs Fest? Dann seid ihr bei mir genau richtig!

Denn bei mir bekommt ihr meine ultimativen Lieblingsempfehlungen dieses Jahres ans Herz gelegt - und wenn für die Beschenkten nichts dabei ist ... naja, vielleicht findet ihr dann für euch das passende Buchgeschenk, denn seien wir mal ehrlich:

Was bekommen die meisten Leser nicht zum Fest?! ..... Eben. Bücher!! Aber nicht verzagen, sondern selbst beschenken, das geht nämlich nicht nur unter dem Jahr, sondern ( und dann eben ganz ohne Ausreden erfinden zu müssen, warum das gefühlte 1000 Buch einziehen musste ) auch zu Weihnachten.

Und damit kommen wir zum zweiten Teil meiner Weihnachtsempfehlungen, den Familiengeschichten - Los gehts:




"Am anderen Ende der Nacht" war mein erster Jan-Philip Sendker. "Herzenhören" ist ja eines seiner bekanntesten Werke und wird auch oft in der Buchhandlung verlangt und gekauft. Da kam mir seine Neuerscheinung wie gerufen, ich habe mich auf sie gestürzt ( nach vielen Lobreden von Seiten der Kollegen ) und wurde mehr als nur überrascht.

Hier wird eine Geschichte erzählt, welche mich tief getroffen hat, sehr zum Nachdenken brachte und wahrscheinlich nicht realistischer sein könnte. Es geht um Kindesentführung, die Macht der Reichen in China und deren Methoden, Menschen für immer ganz und gar verschwinden zu lassen und ein verzweifeltes Paar, welches doch nur ihren Sohn beschützen möchte.

Ich selbst kenne die vorhergehenden Romane dieser China-Reihe nicht, hatte allerdings auch keinerlei Probleme dies als einzelständige Geschichte zu lesen. Jan-Philip Sendker schafft hier eine Atmosphäre, welche mich regelrecht verschlungen hat und mit einem unguten Gefühl zum Schluss zurückließ, denn ich glaube nicht, dass diese Handlung so ganz aus der Luft gegriffen ist.

Fazit: Ein gewaltiger Roman, der unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Gleichzeitig ein spannender Krimi, welcher die Grenzen sprengt und den Leser in ein Regime hinein katapultiert, bei dem es einem eiskalt den Rücken herunter läuft. Ganz großes Kino!

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Ich bin nicht unbedingt der Leser für Geschichten, welche sich rund um den 2. Weltkrieg abspielen. Sie gehen mir oft sehr nahe, bringen mich in eine fast schon depressive Stimmung und hinterlassen mich meist völlig fertig. 
"Gestorben wird immer" hingegen war eine Familiengeschichte, welche sich zum Teil während des zweiten Weltkrieges abspielt, mich aber auf eine ganz andere Art und Weise abgeholt und begeistert hat.

Die Charaktere, welche Alexandra Fröhlich sehr pointiert darstellt, schaffen es die verschiedenen Lebenssituationen in den unterschiedlichen Zeitspannen sehr lebendig und authentisch dem Leser nahe zu bringen und schleichen sich nach und nach in dessen Herz hinein.

Gerade weil oft der etwas herbere und doch humorvolle Ton die Geschehnisse bestimmt, fühlt man sich als Leser nie zu sehr in das Kriegsgeschehen ( welches sowieso weiter entfernt stattfindet ) eingebunden und kann die ganze Geschichte aus einer gewissen Entfernung betrachten. 

Als Geniestreich empfinde ich allerdings Agnes, das Familienoberhaupt. Selten war mir ein Protagonist anfangs so suspekt und unsympathisch. Doch dieser erste Eindruck verlor sich beim Lesen mit jeder Seite, denn wenn man weiß, was Agnes während des Krieges alles erlebt, dann versteht der Leser sehr gut, warum sie so geworden ist, wie man sie zu Anfang des Buches erlebt.

Mein Fazit: Traut euch an dieses Buch heran! Auch wenn hier eine Geschichte während des zweiten Weltkrieges erzählt wird, so ist dies nicht der Hauptbestandteil des Romanes. Viel aufregender sind die verschiedenen Familienmitglieder und ihre Geschichten, welche unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein wahrer Lesegenuss.

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Ebenfalls völlig unerwartet hat mich dieses Jahr Lucinda Riley mit "Die sieben Schwestern" überrascht. Ja es war ein Jahr voller neuer Autoren! Natürlich war mir die Autorin ein Begriff, doch bisher hatte ich ihre Bücher in Richtung Nora Roberts gesteckt, was ein riesiger Fehler war.
Denn schon auf den ersten Seiten hatte sie mich völlig mit ihrer Geschichte in den Bann gezogen, die Atmosphäre war aber auch zu angenehm und heimelig. Ein schöner Schmöker für die weihnachtliche Zeit, das auf jeden Fall!

Mir hat das ganze Setting unglaublich gut gefallen, der Roman bewegt sich auf zwei Zeitebenen und so bekommt der Leser nicht nur eine spannende Familiengeschichte vorgesetzt, sondern erlebt auch Brasilien der 1920er Jahre, ist beim Bau des Cristo hautnah mit dabei und schlendert gemütlich durch Pariser Gassen und bestaunt das Künstlerviertel Montmartre.

Fazit: Alles in allem verzaubert Riley mit authentischen und einzigartigen Charakteren, erschafft eine wundervolle Atmosphäre und begeistert mit gekonnten Zeitsprüngen. Niemals fühlt man sich aus der Geschichte gerissen und kann dem Handlungsstrang problemlos folgen. 

Ein toller Einstieg in eine spannende neue Reihe der Autorin, welche ich garantiert weiterverfolgen werde!

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Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen, aber feinen Eindruck der oben vorgestellten Bücher geben und bin gespannt, ob es eine dieser Geschichten unter den Weihnachtsbaum schafft - verdient haben sie es alle! 

Bis zum nächsten Mal, dann stelle ich euch meine Favoriten aus dem Bereich Spannung vor, ich freue mich auf euch!!

Donnerstag, 15. Dezember 2016

[Weihnachtsempfehlungen #1] Romane für den etwas anspruchsvolleren Leser

Na, braucht ihr noch Buchtipps fürs Fest? Dann seid ihr bei mir genau richtig!

Denn bei mir bekommt ihr meine ultimativen Lieblingsempfehlungen dieses Jahres ans Herz gelegt - und wenn für die Beschenkten nichts dabei ist ... naja, vielleicht findet ihr dann für euch das passende Buchgeschenk, denn seien wir mal ehrlich: 

Was bekommen die meisten Leser nicht zum Fest?! ..... Eben. Bücher!! Aber nicht verzagen, sondern selbst beschenken, das geht nämlich nicht nur unter dem Jahr, sondern ( und dann eben ganz ohne Ausreden erfinden zu müssen, warum das gefühlte 1000 Buch einziehen musste ) auch zu Weihnachten. 

Also lehnt euch zurück und genießt den ersten Teil meiner Weihnachtsempfehlungen:




"Geister" von Nathan Hill war einer der Romane dieses Jahr, welche mich komplett überrascht hatten. Ein dicker Schmöker, besonderes Cover - aber der Inhalt sprach mich so gar nicht an, also wurde es erstmal nicht weiter beachtet. 
Bis zu dem Zeitpunkt, als Karla Paul auf Facebook den Prolog postete, denn danach war ich hin und weg von Nathan Hills Schreibstil und wollte sofort weiterlesen. 

Und es hat mich umgehauen. Ein sehr sprachgewaltiger, interessanter und vielschichtiger Roman rund um die Chicagoer Aufstände 1968, einen Jungen, welcher von seiner Mutter verlassen wird und sie später vor dem Gefängnis bewahren soll, gewürzt mit einer Prise nordischer Mythologie. 

Fazit: Nicht nur für den anspruchsvolleren Leser, sondern auch für das "gemeine, niedere, einfachere" Volk, denn Nathan Hill umschreibt mit seinen Worten so anschaulich seine Charaktere und deren Geschichte, dass es einfach ein wahrer Lesegenuss für jedermann ist! 
P.S.: Ihr wisst doch, wie ich das meine, oder? ;-)

Und lasst euch von den vielen vielen Seiten nicht abschrecken - diese Geschichte inhaliert man förmlich, auch aufgrund der unterschiedlichsten Perspektiven und Protagonisten. Eine Familiengeschichte der ganz besonderen Art!

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"Nussschale" von Ian McEwan ist ein sehr außergewöhnliches Leseerlebnis für mich gewesen, welches lange gebraucht hat um mich zu überzeugen. Denn hier bekommt der Leser die komplette Geschichte aus der Sicht eines ungeborenen Kindes erzählt. Hört sich seltsam an?

Ich musste einige Seiten hinter mir lassen um mich auf dieses Gedankenexperiment einlassen zu können - denn nicht nur die ungewöhnliche Perspektive irritierte mich am Anfang, sondern auch die enorme Intelligenz und Wortwahl bzw. die Gedankengänge des Babys wollten mich so gar nicht gefangen nehmen.

Doch ab einem bestimmten Punkt konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen, denn die Haupthandlung des Romanes wurde ab einem gewissen Zeitpunkt ziemlich rasant, ja fast schon Krimi ähnlich und zog mich damit tiefer in seinen Sog. 

Fazit: McEwan schafft es immer wieder zu verblüffen und den Leser in neue Gefilde mitzunehmen -garantiert nicht für jeden Geschmack geeignet, der Roman wird polarisieren und für ein ganz und gar extravagantes Lesegefühl sorgen. 

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Mein persönlicher Dauergeschenktipp in der Buchhandlung ist "Der Pfau" von Isabel Bogdan. Kaum ein Titel ist dieses Jahr in meinen Augen so vielschichtig einsetzbar und wird rund um die Uhr den Kunden vorgeführt, empfohlen und schlussendlich dann sehr oft mitgenommen.

"Einer der Pfauen war verrückt geworden." So fängt der Roman rund um Lord und Lady McIntosh an, welche in den schottischen Highlands in einem heruntergekommenen Landsitz wohnen und dort in kleinen Cottages Gäste bewirten. Neben dem großen Anwesen besitzen Lord und Lady auch viele viele Tiere und unter anderem auch einen Pfau, welcher auf die Farbe Blau extrem aggressiv reagiert.

Eines Tages kommt eine Gruppe Bankangestellter zu einem Teambildungswochenende dorthin und die Chefin fährt ausgerechnet mit einem blauen Sportwagen vor. Und damit fängt das Chaos erst so richtig an! ....

Ein Roman, welcher mich mit seinem Charme, Witz und den Charakteren mehr als nur begeistern konnte. Isabel Bogdan greift hierbei zu einem sehr britischen Humor, welcher perfekt zur Handlung passt und dem Leser ein wohliges Gefühl beschert. 

Fazit: Geeignet für all diejenigen, welche den Beschenkten entweder a) nicht so gut kennen und einfach ein unverfängliches, nettes Buch schenken möchten oder b) einen Wohlfühlroman unter den Tannenbaum legen wollen. Mein absoluter Favorit und Dauerbrenner dieses Jahres!!

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Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen, aber feinen Eindruck der oben vorgestellten Bücher geben und bin gespannt, ob es eine dieser Geschichten unter den Weihnachtsbaum schafft - verdient haben sie es alle! 

Bis zum nächsten Mal, dann stelle ich euch meine Favoriten aus dem Bereich Familiengeschichten vor, ich freue mich auf euch!!

Montag, 12. Dezember 2016

[Buch-News #5] "Paris, Clara und Ich" von Adriana Popescu - Weihnachtskurzgeschichte!

Hallihallo ihr Buchverrückten da draußen!

Dieses Jahr war ein besonders gutes Jahr für wundervolle Geschichten - und eine meiner liebsten davon war "Paris, Du und Ich" von Adriana Popescu.

Alle, welche jetzt panisch nach einer verpassten Rezension von mir suchen: Bisher habe ich es ( Schande auf mein Haupt!! ) noch nicht geschafft, eine Besprechung dazu zu schreiben .... das wird sich aber spätestens nach dem nochmaligen Lesen ereignen, denn es sollte jeder von euch wissen wie megamäßig TOLL ich es gefunden habe!!!

Und jetzt erscheint auch noch eine kleine Winter-/Weihnachtskurzgeschichte namens "Paris, Clara & ich" rund um die Hauptprotagonisten Emma, Vincent und Jean-Luce, welcher ein unglaublich sympathischer älterer Herr ist, bei dem Vincent in einer kleinen Wohnung in Paris untergekommen ist und den ich ebenso sehr geliebt habe.

Deswegen freue ich mich umso mehr, ihn und die Liebesgeschichte mit seiner Frau näher kennen zu lernen, aber wehe es werden keine geheimen Doctor Who Sachen mehr vorkommen Frau Popescu, dann gibt es gewaltig Ärger ... oder so! #hmpf

Hach Leute, was soll ich DAZU noch sagen? Ich freue mich sooooo sehr auf ein Wiedersehen mit Vincent und Emma - wie sehr hatte ich die beiden ins Herz geschlossen, wie sehr sind die Tränen auf den letzten Seiten geflossen und wie sehr habe ich ihnen nachgetrauert, nachdem ich das Buch zugeklappt hatte .... 

Zitat: Angst ist wichtig. Hab Angst vor dem offenen Meer. Vor dunklen Gassen. Vor großen Hunden. Aber niemals – ich betone – niemals vor der Liebe. Die Liebe mag wehtun, aber sie ist wie eine Rose. Du bekommst sie nicht ohne Dornen.

Und meine Reaktionen zu dieser unfassbaren GEILEN ( huch, da geht es jetzt aber mit mir durch! ) Neuheit waren ungefähr so:


Deshalb meine Empfehlung an euch: Ihr kennt "Paris, Du und Ich" noch nicht? Tja, dass solltet ihr wohl schleunigstens ändern, denn das könntet ihr sonst mehr als nur bereuen ... euch entgeht hier eine so wundervolle Geschichte rund um die erste Liebe, den ersten Liebeskummer, das Wunder einer Freundschaft und kleinen, gut versteckten Doctor Who Insidern.

Und ganz nebenbei werdet ihr durch Paris geführt, verliebt euch in Vincent und werdet bald feststellen wie himmelschreiend gut Adriana Popescu schreiben kann - also, worauf wartet ihr noch? Lest es, liebt es und empfehlt es weiter, denn das hat es mehr als nur verdient!!

Zitat: Man darf vor vielen Dingen im Leben Angst haben, das habe ich gelernt. Jedoch niemals von der Liebe, sich selbst und den eigenen Träumen. 
Denn es sind eben diese Träume, die uns vorantreiben, wegen denen wir mit einem Lächeln morgens aufwachen und selbst den schlimmsten Tag überstehen. Wenn niemand über deine Träume lacht, dann sind sie wahrscheinlich nicht groß genug.

Samstag, 10. Dezember 2016

[Rezension] Haus der Geister - John Boyne

Haus der Geister

John Boyne 

329 Seiten

Piper Verlag

9,99 €

England 1867 Die junge Eliza Caine fährt in die englische Grafschaft Norfolk, um eine Stellung als Gouvernante anzutreten. Als sie an einem nebeligen Novemberabend müde und durchgefroren die Empfangshalle von Gaudlin Hall betritt, wird sie von ihren beiden Schützlingen Isabella und Eustace freudig begrüßt. 

Zu ihrer Überraschung stellt sie fest, dass außer den beiden Kindern niemand in dem alten viktorianischen Anwesen lebt – bis sie erkennen muss, dass sie dennoch nicht alleine sind. Etwas verfolgt sie und trachtet ihnen nach dem Leben. Eliza muss längst begrabene, tödliche Geheimnisse enträtseln, wenn sie nicht selbst den düsteren Mauern von Gaudlin Hall zum Opfer fallen will.

Meine Meinung:

John Boyne habe ich vor Jahren unglaublich gerne gelesen; die Bücher, welche unsere Bibliothek anbot habe ich mit Begeisterung verschlungen und so ist es nicht verwunderlich, dass mich auf einmal wieder die Leselust packte - kurz in den eigenen Bücherhaufen gewühlt, schon fiel mir "Haus der Geister" in die Hände. 

Eine Gruselgeschichte? Okay, okay, eine Geistergeschichte ... darauf hatte ich eigentlich eher weniger Lust und doch konnte ich dem leisen Flüstern der Seiten nicht widerstehen und habe den Roman innerhalb kürzester Zeit verschlungen.



Boyne schafft es, den Leser sofort in eine düstere Stimmung zu bringen, welche sich während der Geschichte immer mehr verdichtet. Die Handlung rund um Eliza Caine, welche nach dem Tod ihres Vaters eine Stelle als Gouvernante in einem alten Herrenhaus annimmt und dort zwei Kinder hüten soll, deren Eltern aus unerklärlichen Gründen verschwunden bleiben, lässt einem mehr als einmal die Haare im Nacken zu Berge stehen.

Auch wenn das Grauen nie wirklich hervortritt, so war es stets hinter einem und trieb mich an weiterzulesen, denn natürlich wollte ich erfahren, was hinter dem ganzen Geheimnis rund um das spukende Herrenhaus steckt.

Und doch wird man nie allein gelassen, denn nach und nach wird der Schleier der Unklarheit, was für den Spuk verantwortlich ist, gelüftet und für mich ergab sich dadurch nie das Gefühl einer Frustration, das mich manchmal beschleicht, wenn ein Autor zu lange um den heißen Brei herum schreibt, um doch nie ganz zum Ende zu gelangen.

Mein Fazit:

Ein klassischer Boyne für mich: Eine packende Handlung, fesselnde Atmosphäre, das kleine Quäntchen Grusel und Charaktere, welche über sich hinauswachsen - ein schriftstellerisches Feuerwerk, welchem ich gerade jetzt in der düsteren Jahreszeit viele Leser wünsche! Ich vergebe

5 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte!

Mittwoch, 7. Dezember 2016

[Rezension] Reihenvorstellung Maarten S. Sneijder + Sabine Nemez - Andreas Gruber

Todesfrist ( Band 1 ) 

Andreas Gruber

416 Seiten

Goldmann Verlag

9,99 €

»Wenn Sie innerhalb von 48 Stunden herausfinden, warum ich diese Frau entführt habe, bleibt sie am Leben. Falls nicht – stirbt sie.« Mit dieser Botschaft beginnt das perverse Spiel eines Serienmörders. Er lässt seine Opfer verhungern, ertränkt sie in Tinte oder umhüllt sie bei lebendigem Leib mit Beton. 

Verzweifelt sucht die Münchner Kommissarin Sabine Nemez nach einer Erklärung, einem Motiv. Erst als sie einen niederländischen Kollegen hinzuzieht, entdecken sie zumindest ein Muster: Ein altes Kinderbuch dient dem Täter als grausame Inspiration – und das birgt noch viele Ideen ...


Todesurteil ( Band 2 )

Andreas Gruber

544 Seiten

Goldmann Verlag

9,99 €


In Wien verschwindet die zehnjährige Clara. Ein Jahr später taucht sie völlig verstört am nahen Waldrand wieder auf. Ihr gesamter Rücken ist mit Motiven aus Dantes "Inferno" tätowiert – und sie spricht kein Wort. Indessen nimmt der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder an der Akademie des BKA für hochbegabten Nachwuchs mit seinen Studenten ungelöste Mordfälle durch. 

Seine beste Schülerin Sabine Nemez entdeckt einen Zusammenhang zwischen mehreren Fällen – aber das Werk des raffinierten Killers ist noch lange nicht beendet. Seine Spur führt nach Wien – wo Clara die einzige ist, die den Mörder je zu Gesicht bekommen hat … 


Todesmärchen ( Band 3 )

Andreas Gruber

544 Seiten

Goldmann Verlag 

9,99 €

In Bern wird die kunstvoll drapierte Leiche einer Frau gefunden, in deren Haut der Mörder ein geheimnisvolles Zeichen geritzt hat. Sie bleibt nicht sein einziges Opfer. Der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder und BKA-Kommissarin Sabine Nemez lassen sich auf eine blutige Schnitzeljagd ein – doch der Killer scheint ihnen immer einen Schritt voraus. 

Währenddessen trifft die junge Psychologin Hannah im norddeutschen Steinfels ein, einem Gefängnis für geistig abnorme Rechtsbrecher. Sie soll eine Therapiegruppe leiten, ist jedoch nur an einem einzelnen Häftling interessiert: Piet van Loon. Der wurde einst von Sneijder hinter Gittern gebracht. Und wird jetzt zur Schlüsselfigur in einem teuflischen Spiel ...

Meine Meinung:

Andreas Gruber war mir schon immer ein Begriff, doch so wie es nun mal als Buchhändlerin ist, kennt man zwar den Namen, hat aber einigen Fällen noch nie zu einem Buch des Autors gegriffen. Warum? 

Die liebe Lesezeit ist daran schuld! Mal ist sie da, mal rinnt sie einem wie Sand durch die Finger - und genau aus diesem Grund schlummerten die ersten beiden Bände gefühlte Jahre bei mir im Bücherregal.

Als nun der dritte Teil "Todesmärchen" in den Laden flatterte, konnte ich meine Neugierde nicht mehr zähmen und griff zum ersten Band rund um den Ermittler Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez .... tja, und was soll ich dazu sagen? 


Marteen S. Sneijder ist mit einer der sympathischsten und authentischsten Ermittler, welcher mir jemals in einer Geschichte begegnet ist. Mit seiner schrulligen, skurrilen Art und Weise hat er sich schnell in mein Leserherz geschlichen und mich dennoch oft überrascht - denn Andreas Gruber versteht es wie kein zweiter unerwartete Wendungen in seinen Romanen einzubauen.

Und zusammen mit Sabine Nemez, welche man im ersten Band "Todesfrist" kennen lernt, ergänzen sich die beiden zu einem unglaublich tollen Ermittlerteam, bei dem der Leser sich oft fragt, wer hier eigentlich die Hosen anhat. 

Das war für mich schon die halbe Miete, denn wenn mir die Hauptprotagonisten gefallen und sie gemeinsam harmonieren, ich aber nie genug von ihnen kriegen kann, dann suchte ich eine Reihe gerne im Schnelltempo durch.

Die einzelnen Fälle sind mir direkt unter die Haut gegangen und haben mich in so manchen Träumen noch nachträglich verfolgt. Mehr will ich dazu gar nicht erzählen, das müsst ihr schon selbst lesen #Anfixmodus

Ich würde sagen, Andreas Gruber ist der österreichische Chris Carter unter den Psychothriller-Autoren, zumindest für mich! Gänsehaut pur, auf jeden Fall nichts für schwache Nerven und wenn man einmal angefangen hat zu lesen, tja - dann versucht mal damit aufzuhören, es wird euch kaum gelingen!

Mein Fazit:

Andreas Gruber hat mit seiner Todes-Reihe mein Thrillerherz im Nu erobert, hat mich mit fiesen, hinterhältigen und verdammt guten falschen Fährten aufs Glatteis geführt und mich dadurch noch mehr begeistert als ohnehin schon. Eine dicke Empfehlung für alle, welche für die kalte Jahreszeit noch Thriller mit Schmökerpotenzial suchen! 

Für durchlesene Nächte übernehme ich keinerlei Haftung. Bitte bitte schaut euch die Reihe auf jeden Fall genauer an, lest in eine Leseprobe hinein und verliebt euch genauso wie ich in den unglaublich sympathischen Maarten Sneijder ... Verzeihung, Maarten S. (!!! ) Sneijder. Ich vergebe für die gesamte Reihe

5 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte!

Und wer meint, schon alle Bücher über Maarten S. Sneijder zu kennen, den muss ich spätestens jetzt enttäuschen ( und anfixen! ) denn nächstes Jahr im Juli erscheint der 4. Teil dieser Reihe. #FangirlmodusAN


Sonntag, 28. August 2016

[Rezension] Bluescreen - Schlips und Vorurteil


Bluescreen - Schlips und Vorurteil

J. K. Hilgenberg

384 Seiten

Books on Demand

10,99 € ( Taschenbuch ) oder 2,99 € ( Ebook )


Die selbstbewusste junge Technikerin Elizabeth Bennet und der ebenso mürrische wie überhebliche Moderator Will Darcy haben mit ihren gut zweihundert Jahre alten Pendants nicht nur die Namen gemein. 

Wenn sie im Studio aufeinandertreffen, fliegen die Fetzen, und schon bald stehen die Vorurteile und die Missverständnisse denen aus dem frühen 19. Jahrhundert in nichts mehr nach.
Ein modernes Stolz & Vorurteil unter der Regie des ganz alltäglichen Wahnsinns voller Irrungen und Wirrungen!

Meine Meinung:

J. K. Hilgenberg hatte mich bereits auf den ersten Seiten ihrer Neuerzählung von "Stolz und Vorurteil" komplett gefesselt und überzeugt, denn sie hat einen wunderbar leichten Schreibstil, welcher den Leser trotzdem gekonnt in die Austen-Zeit zurückversetzt und einen wehmütig an den berühmten Klassiker zurückdenken lässt. 


Um was geht es? Elizabeth Bennett arbeitet als aufstrebende und selbstbewusste Technikerin bei dem Regionalsender Meryton TV. Eines Tages trifft sie auf Will Darcy, welcher als neuer Moderator und Freund von Charles Bingley neuen Wind in den Fernsehsender bringen soll. 

Vom ersten Tag an kann Elizabeth ihn nicht ausstehen, ist er doch mürrisch, arrogant und selbstverliebt ... den Schlips zum allem Übel nicht zu vergessen! Doch je länger die beiden genötigt sind zusammen zu arbeiten, desto näher kommen sie sich - kann Elizabeth über ihren eigenen Schatten springen und Darcy endlich in einem anderen Licht sehen?


Wie oft habe ich bereits Jane Austens Werk inhaliert, gelesen und geliebt? Etliche Male und bisher habe ich mich nicht mal ansatzweise getraut, eine Adaption dieser Geschichte zu lesen. Zu groß war die Angst enttäuscht zu werden, Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy unsympathisch zu finden oder einen billigen Abklatsch meiner liebsten Liebesgeschichte lesen zu müssen. 

Doch J. K. Hilgenberg hat keinen dieser Punkte auch nur bestätigt oder gestreift, denn auch wenn die Grundgeschichte und deren Verlauf der gleiche oder ähnliche ist wie beim Urtext, so merkt der Leser doch recht schnell, dass "Stolz und Vorurteil" die Autorin zu diesem Roman inspiriert hat und von ihm geprägt ist, allerdings auch eigene Höhen und Tiefen aufweist und sich nicht nur am Original entlang hangelt, ohne eigene Ideen aufzuweisen.

Auch Nebencharaktere wie z.B. Mrs. Bennett sind zauberhaft ausgearbeitet und halten sich charakterlich sehr an die originalen Protagonisten, was es umso unterhaltsamer für mich als Leser gemacht hat, denn auch wenn im Kopf oft Vergleiche zur Urfassung angestellt wurden, so habe ich es doch sehr genossen, ein zweites Mal auf meine liebsten Charaktere zu treffen und sie unter anderen Bedingungen neu zu entdecken. 

Auch hier merkt man, dass J. K. Hilgenberg sich intensiv mit "Stolz und Vorurteil" auseinandergesetzt hat - hier wurde nichts dazu erfunden, weggelassen oder neuinterpretiert; nein, sie wollte die Geschichte ins 21. Jahrhundert bringen und die dortigen Tücken und Probleme mit einbinden. 

Sie wollte keine zweite Jane Austen werden oder sich mit einem alten Text neuen Ruhm erwerben - nein, ich hatte durchgängig das Gefühl, dass die Autorin ebenso ein Fan des Klassikers ist und dem Leser ein neues Lesegefühl schenken wollte; denn wer will nicht seine Lieblingsgeschichte nochmal zum ersten Mal lesen? 

Ich habe es sehr genossen, einen meiner liebsten Klassiker neu zu entdecken, das Gefühl etwas altbewährtes und doch neuartiges zu lesen und eine der bezauberndsten Liebesgeschichten auf vollkommen andere Art zu erleben. 

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es dann allerdings doch: 

a) Ich finde dieses Cover ganz ganz schrecklich. Punkt. Da gibt es für mich nichts zu rütteln oder zu beschönigen, es passt einfach so gar nicht zu der ganzen Geschichte, denn diese ist so ganz anders als ihr Kleid. Einfach ignorieren und komplett auf ihr Innenleben fokussieren, denn das lohnt sich auf jeden Fall!

b) Okay, okay es sind doch zwei Kritikpunkte *hust* Was mich auch noch ein wenig gestört und zum Schluss hin fast schon genervt hat, war der Spitzname von Lizzy Bennett für Will Darcy, denn aufgrund seines Anzuges und dem dazugehörigen Schlips nennt sie ihn oft ( sehr oft ) "Mr. Schlips" und das machte mich irgendwie fuchsig.
Doch ich habe es fleißig überlesen und den ein oder anderen Leser wird das garantiert ebenso erheitern wie es mich wahnsinnig gemacht hat.

Mein Fazit:

Eine bezaubernde Adaption des bekannten Austen Klassikers. Auch wenn es zwei kleine Schwächen hatte, konnte es mich rundum überzeugen; lasst euch vom Cover nicht abschrecken, denn die Geschichte dahinter ist es auf jeden Fall wert, entdeckt zu werden ... nicht nur von Austen Fans! Ich vergebe

4 1/2 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte!!